154 Sie wiſſen, nicht ſo glücklich, als wir beide es wohl gewünſcht hätten. Friedrich hat ſich eben auch hier als Schwärmer bewieſen. Genug, die junge Frau glaubte ſich vernachläſſigt und war es auch vielleicht nach ihrem Sinne; das leichtſinnige Blut ihrer Mutter regte ſich in ihr, ſie trat in deren Fußtapfen und ließ ſich in ein heimliches Verſtändniß mit dem Herzog ein.“
„Es iſt nicht möglich!“ rief die Räthin, die vor Er⸗ ſtaunen und Erregung nichts mehr hervorzubringen vermochte.
„Mehr als das; es iſt die bitterſte Wirklichkeit. Als das Zerwürfniß in der Ehe ſo weit gekommen war, daß Friedrich von einer zeitweiligen Entfernung eine wohlthuende Einwirkung auf das Gemüth ſeiner Frau erwarten zu dürfen glaubte, ahnte er nicht, was ſchon geſchehen war. Die Frau benutzte die Reiſe, welche ſie u einer Verwandten, ihrer einſtigen Erzieherin, bringen ſollte, um mit dem Herzog in St. Wendelin zuſammen⸗ zutreffen. Als Friedrich, durch unerwartete, dringende Geſchäfté gerufen, dahin kam, überraſchte er ihn in ihren Armen.“
Riedl ſtand auf; er wollte der Räthin Zeit laſſen, ſich zu faſſen. Erſt kämpften Entrüſtung und Schmerz in den Mienen der guten Frau, dann brach ſie in Thränen aus und rief:„O mein Sohn! O mein
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