Teil eines Werkes 
4. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

denſelben mit ſichtbarer Freude, indem er von Zeit zu Zeit mit der Hand über den Aermel ſtrich, als wolle er die Feinheit des Tuches fühlen, oder wohlgefällig an ſich ſelbſt hinabſah, wie ſtattlich ſeine Glieder in der ungewohnten Tracht ſich ausnahmen. Der Meiſter war nur von fern geſtanden; es war nicht möglich geweſen, durch die Menge zu dringen. Darum hatte er noch verweilt und ging mit dem Knaben in den Bogengängen des Kirchhofs hin und wieder, um mit ihm, wenn die Menge ſich verlaufen haben würde, noch ungeſtört einen Beſuch am Grabe zu machen. Dem ungeberdigen Knaben ſchien das nicht zu behagen, denn er blickte nach allen Richtungen umher, als ob er einen Ausweg ſuchte, um zu entſpringen, was ihm auch ſicher gelungen wäre, hätte ihn der Weber nicht feſt an der Hand gehalten.

So waren ſie in die Nähe der Todtenſäle gekom⸗ men, von welchen eben ein neuer Leichenzug abgegangen war. Ein einfacher Sarg⸗mit plattem Deckel und ohne Anſtrich ließ die völlige Armuth deſſen, der darin lag, ebenſo wohl erkennen als das verſchoſſene und bei⸗ nahe farbloſe Bahrtuch, das die Träger achtlos darüber⸗ warfen. Kein Geſang war dabei zu hören, kein Gebet, keine Ceremonie irgend eines Prieſters. Dennoch ſtand eine anſehnliche Schaar von Männern bereit, um als