Plötzlich hielt er verwundert an. Geſang ſchlug an ſein Ohr. Er blickte auf und gewahrte jetzt erſt, daß er vor dem Hauſe des Generals ſtand, in welchem das Singkränzchen gehalten wurde. Die Fenſter waren geöffnet, und von den mächtigen Akkorden eines herr⸗ lichen Flügels begleitet, erſcholl der Geſang einer ſchö⸗ nen Frauenſtimme von etwas tiefer Färbung in getra⸗ genen, vollen Glockentönen in die weiche Abendluft hinaus. Mein Gott, wie iſt mir?“ rief Führer, indem er den Hut etwas lüftete.„Dieſe Stimme ſollte ich kennen! Iſt das nicht— nein, das iſt unmög⸗ lich. Sie hat mir ja verſprochen, heute zu Hauſe zu ſein. Wir wollten den Abend im Garten zubringen.“ Er eilte ſtürmiſch fort und hatte bald das Gäßchen hinter den Mauern und in ihm das ſtille, klöſterliche Haus erreicht. Auf ſein Glockenzeichen that ſich die Thür auf; es war die Räthin ſelbſt, welche ihn empfing. „Nun“, rief ſie,„das iſt ſchön, daß Du ſo bald nach Hauſe kommſt, mein Sohn!“ „Mutter“, rief Friedrich außer ſich, ohne auf ihre freundliche Begrüßung zu achten,„wo iſt Ulrike?“ Die Räthin erwiderte nichts und zuckte mit den Achſeln. „Es kann nicht ſein“, rief Friedrich wieder.„Sie hat mir verſprochen, Mutter, nicht in das Kränzchen gehen zu wollen.“
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