31
waren letztere nicht ganz ohne Nachhall in ihm geblie⸗ ben. Der Gedanke, daß hinter Führer's Grundſätzen wirklich andere, tiefer liegende Motive lauern könnten, daß er ihn vielleicht wirklich nur als Werkzeug für weiterſehende Pläne betrachte und benutze, war ihm neu und überraſchend. Er beſchäftigte ſich noch leb⸗ haft damit, als Friedrich zur gewohnten Vortragsſtunde in das Kabinet trat. Des Herzogs Blick ruhte lange auf ſeinen Mienen, über die heute ein ungewöhnlicher Ernſt gebreitet lag, doch ſchwieg er, und die Geſchäfte begannen und gingen ihren gewöhnlichen Lauf.
„Sind wir fertig für heute?“ fragte der Herzog nach einiger Zeit.
„Mit den Arbeiten des Tages ja“ entgegnete Friedrich, ndoch muß ich noch das Wichtigſte in Anregung bringen.
„Das Wichtigſte?“
„Für Eure Durchlaucht, für das ganze Land und für mich. Der Entwurf des Grundgeſetzes harrt noch immer der Sanction!“
Der Herzog ſtand unangenehm berührt auf.„Laſ⸗ ſen Sie das für ein ander Mal“, ſagte er,„ich bin da⸗ mit zu Ende, aber ich habe heute keine Faſſung dafür. Das hat ja Zeit.“
Ueber Friedrich's Anlitz flog dunkle Glut.„Eure Durchlaucht“, ſagte er aufgeregt, aber mit beſcheidener


