10
von ergriff und dem Knaben hinreichte. Dieſer griff haſtig darnach, als fürchte er, daß ſie ihm wieder ent⸗ riſſen werden könnten; ein hohes Roth flog über ſein ganzes Geſicht. Seine Augen ruhten eine Sekunde lang auf Friedrich's Geſicht ſo voll und feſt, daß man davon überraſcht ſein mußte. In der nächſten Sekunde jedoch war er ſchon, ohne einen Laut von ſich zu ge⸗ ben, zur Thür hinaus und rannte durch den Hof.
Auf der Straße angekommen ſah er um ſich und glitt dann mit der Gelenkigkeit eines Fuchſes in den dunklen Vorplatz des nebenſtehenden Hauſes. Inzwi⸗ ſchen öffnete ſich etwas weiter vorn gegen das Ende des Gäßchens die Thür eines Erdgeſchoſſes, Weber Will trat heraus und that einen gellenden Pfiff. Unbefan⸗ gen kam Richard auf dies Zeichen aus dem Vorplatze hervor und ging auf den Weber zu.„Dau, ſagte er, als er zu demſelben hinkam, und reichte ihm das Sil⸗ berſtück, das ihm Friedrich gegeben hatte.„Kauf uns Brod, Vetter!“ Dieſer erſtarrte beim Anblick der großen Münze.„Bub““, rief er,„wo haſt Du das Geld her? Wo haſt Du die ſchönen Aepfel her?“
Der Knabe antwortete nicht und wand ſich an dem Fragenden vorüber. Im Nu war er die ſteile Treppe hinauf und bald hörte man ihn die Thür der Boden⸗ kammer zuklappen, in der er ſchlief.
—————


