„Draußen“, war ſeine Meldung,„ſteht ein kleiner Junge, der einen Brief an den gnädigen Herrn hat. Er will ihn aber durchaus ſelbſt abgeben.“
„So laß ihn hereinkommen“, ſagte Friedrich, und der Knabe trat ein. Es war ein hübſches Kind mit regelmäßigen Zügen, aber in dem ganzen Weſen gab ſich etwas Zurückhaltendes und Verſtecktes kund, was keinen angenehmen Eindruck machte. Der Bediente trat auf einen Wink Friedrich's ab.
„Was bringſt Du mir, Kind?“ fragte Friedrich. „Wer ſchickt Dich zu mir?“ Der Knabe gab keine Ant⸗ wort, ſondern hielt ihm ein etwas ſtarkes Packet hin. „Iſt das an mich?“ fragte Friedrich wieder, indem er daſſelbe ergriff.„Kannſt Du nicht ſprechen?“
Er beſah die Aufſchrift, und da er ſie an ſich ge⸗ richtet fand, trat er an ein Seitentiſchchen, das Packet zu öffnen.
„Was ſoll er nicht reden können!“ fuhr inzwiſchen die Räthin fort.„Ich kenn' ihn ja! Es iſt der Knabe von dem armen Weber— Will, glaub' ich, heißt er— da vorn im Gäßchen. Biſt Du'’s nicht, Kleiner? Rede, was macht Deine Mutter?“
Der Knabe ſchwieg hartnäckig und ſah vor ſich auf den Boden nieder. Erſt als ſeine Mutter erwähnt wurde, hob er die Augen, ſah die Räthin wie erſchrocken


