21
ſchluchzend,„ich vertrag's nicht. Du biſt brav und gut und für Dein Unglück kannſt Du nicht.“
„Wer ſagt Dir das ſo gewiß, Martin?“
„Ich ſelber ſag's und ſag's vor aller Welt! Es kennt Dich ja Niemand ſo gut wie ich, ſeit Deine Mutter todt iſt. Bin ich nicht mit Dir aufgewachſen? Haben wir nicht als Kinder ſchon immer mit einander geſpielt und hab' ich Dich nicht lieb gehabt wie mein Leben, ſeit ich nur denken kann? O geh', laß Dich be⸗ reden, geh' mit mir, fort aus dem unglücklichen Haus.“
Des Burſchen Stimme war weich und dringend ge⸗ worden, er hatte den einen Arm ſanft um Mariens Hüfte gelegt, als wollte er ſie fortziehen. Sie zuckte unter der Berührung, aber ſie wehrte ſich nicht, ſie er⸗ widerte nichts, ſondern ſah ſtarr mit halb gewendetem Kopfe nach der Seite hin. Es war, als horche ſie mit Anſtrengung auf eine nur ihr vernehmbare Stimme, als hinge ihr Auge gebannt an einer nur ihr ſichtbaren Geſtalt.
Dann ſchüttelte ſie traurig den Kopf und murmelte vor ſich hin:„Ich darf nicht— ich muß in dem Haus bleiben— die Mutter will’'s. Da iſt ſie wieder, mit dem blutigen Streif an der Stirn— das Blut rinnt davon nieder— ſie will nicht, daß ich gehe.“
Mit einem ſchwachen Schrei ſank ſie in den Stuhl


