und vermochte nicht, ſich von ihm zu trennen. Man ließ ſie daher gewähren, bis alle Uebrigen fortgetragen
waren. Als die Träger zuletzt wiederkamen, hob
Windreuter die Weinende auf.„In Gottes Namen,
Frauchen“, rief er,„tröſtet Euch, es kann einmal nicht
mehr anders ſein. Ihr könnt ja noch mitgehen bis
ins Leichenhaus. Denkt, Euer Sohn iſt gut aufge⸗
hoben! Wenn er auch ſechzig Jahre alt geworden wäre,
einmal hätte er doch fort gemußt wie der Herzog, und
was hätte er dann viel gewonnen?“
Die halb bewußtloſe Frau ließ ſich ohne Wider⸗ ſtand leiten und ſchritt, von Windreuter unterſtützt, mühſam hinter der Bahre her, die das Kleinod ihres Lebens zum Grabe trug. 8
In Friedrich's Hauſe hatte während der Vorgänge dieſer Nacht die größte Unruhe geherrſcht. Die Ge⸗ rüchte davon gelangten theils durch Beppo, welcher manchmal darnach ausging, theils durch die Nachbars⸗ leute mit den üblichen Ausſchmückungen und Ueber⸗ treibungen auch in den ſo entlegenen Stadttheil und ſteigerten die natürliche Beſorgniß der einſamen Frauen noch mehr. Begreiflicherweiſe dachte Niemand daran, ſich zur Ruhe zu begeben, denn die Anſpannung der Neugierde und Furcht ließ kein Gefühl der Ermüdung aufkommen. Dazu kam noch, daß die Räthin ſowohl


