Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
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den? fragte die Räthin, der das Geſpräch ſichtlich un⸗ angenehm war.

Das bin ich in der That auch ganz und gar nicht! rief Riedl eifrig.Sie machen die Freundſchaft zur Sache des Gefühls, ich aber kann dieſem nur eine untergeordnete Stelle einräumen und muß, wie überall, dem Verſtande ſein Vorrecht wahren. Freundſchaft iſt nicht denkbar ohne Uebereinſtimmung der Geſinnung und die Geſinnung hat mit dem Gefühle nichts zu ſchaffen. Darum iſt auch nur dasjenige Alter, in wel⸗ chem die Geſinnung gereift iſt und feſt ſteht, das Man⸗ nesalter nämlich, die Zeit, in welcher die Freundſchaft gedeiht!

Sie ſprechen da etwas aus, wendete Ulrike ein, was mir neu iſt. Ich habe vielmehr oft behaupten hören, daß man ſich in der Jugend leichter an einander ſchließe, eben weil das Gefühl noch lebhafter und der Verſtand minder thätig iſt..

Ich kann Ihnen das unbedingt zugeben, mein Fräulein, antwortete Riedl,ohne deshalb meinem Satze untreu zu werden. Die Jugendbekanntſchaften, von denen Sie ſprechen, ſind allerdings nicht ſelten der Boden, in welchem die Eiche der Freundſchaft wurzelt; wenn ſich aber aus der Bekanntſchaft oder Kamerad⸗ ſchaft die Freundſchaft entwickeln ſoll, müſſen ſie