17* ſeinem Hauſe wie in einem commune sensorium zuſam⸗ men, das jede Bebung des öffentlichen Lebens in ſeinem tiefſten Weſen nachzittern macht! Doch“, fuhr er, vor ſeiner Mutter ſtehen bleibend, fort, nich weiß, daß Sie, obwohl meine gute, liebevolle Mutter, mit meinen An⸗ ſichten nicht harmoniren.“
„Das thu' ich wahrlich nicht“, erwiderte die Räthin, indem ſie Friedrich an der Hand ergriff und ihm mit dem vollen Ausdruck mütterlicher Beſorgniß in die Augen ſah.„Ich meine, es könne nicht ſchlimm um das Ganze ſtehen, wenn jeder Theil das und eben nur das thäte, wozu ihn die Vorſehung beſtimmt hat. Wenn jeder Theil am Ueberblick über das Ganze, an der Leitung Antheil haben will, iſt ja die Verwirrung un⸗ vermeidlich. Das war die Anſicht Deines braven Vaters, erprobt in einem langen redlichen Leben, ſie iſt während deſſelben die meine geworden, und glaube mir, auch Du würdeſt beſſer mit ihr fahren als mit der Deinen.“
„Laſſen wir das, Mutter“, ſagte Friedrich lächelnd. „Mein guter Vater war ein vortrefflicher Mann, und ſein Andenken ſei geſegnet, aber ihm ging der Beamte vor dem Menſchen, und weil er ſich mit ſeinem Amte verſchmolzen hatte, ſah er Welt und Leben nur durch die Kanzleifenſter. Aber ſagen Sie, iſt keine Nachricht
von Ulrike gekommen?“ Schmid, Mütze und Krone. I. 2


