Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

ſtellend, welche einſt mit dem Hausrath, der ſteenun ſo lange überlebte, jung geweſen waren, vollendeten das Ganze. Wenn die Räthin, ſtill mit ihrer Arbeit beſchäftigt, oder in dem Buche leſend, das in ſchwarzes Leder gebunden und mit Silber beſchlagen auf dem Fenſtergeſimſe lag, in dem Zimmer ſaß, ſo war es, als ſei die Zeit um einige Jahrzehnte zurückgeſchraubt, oder als wäre mitten in der Gegenwart ein Stück Vergan⸗ genheit wohl erhalten zurückgeblieben. Um ſo größer war der Abſtand, den Ulrikens im Aeußern ſowohl als in ihrem eigentlichen Weſen völlig moderne Er⸗ ſcheinung zu dieſer Aeußerlichkeit bildete.

In ihren Betrachtungen wurde Ulrike durch den alten Mann geſtört, der ihr bei ihrer Ankunft in der Gartenſchürze entgegengekommen war. Jetzt hatte er einen altväteriſchen, etwas verblaßten Rock angezogen und das weiße Haar zierlich geſcheitelt. Alles ließ entnehmen, daß er ungewöhnliche Aufmerkſamkeit dar⸗ auf verwendet hatte, ſich zu putzen; es ſchien ihm daran gelegen, einen guten Eindruck zu machen.

Er trat Ulrike mit einem ſteifen Bückling näher.

Con permissione, Signora, ſagte er, indem er ihre Hand ergriff und ehrerbietig küßte.

Was wollen Sie? rief Ulrike überraſcht.Wer ſind Sie?