Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

von der Reiſe her und ſetzte ſie mit einem Blick auf das Zimmer hinzudieſe düſtere Umgebung viel⸗ leicht, an die man ſich erſt gewöhnen muß!

Sei es nun, daß ſie wirklich den Grund ihrer Un⸗ ruhe errathen hatte, oder daß die mit dem Nachdenken über einen Gemüthszuſtand allemal verbundene Klarheit ihr Ruhe gab: ſie fühlte ſich etwas erleichtert und be⸗ gann mit ziemlich gefaßtem Auge die Umgebung zu betrachten.

Das Haus ſelbſt war in der alten bequemen Art des vorigen Jahrhunderts gebaut. Wenn man aus dem engen, finſtern Gäßchen eintrat, überraſchte es durch ſein wohnliches Ausſehen und durch den angenehmen Gegenſatz, den ſeine grauen Steinwände mit dem dunk⸗ len Grün der daſſelbe überragenden Lindenbäume bil⸗ deten und mit dem lichtern des rings herum gezogenen Buſchweeks. Auch die braunrothen Ziegelwände der beiden Stadtmauern, in deren Zwiſchenraum Haus und Garten ſich einſchmiegend hindehnten, waren mit Reben und andern Rankengewächſen bekleidet, ſodaß der ganze eingeſchloſſene Raum den Charakter eines heimlichen, in faſt klöſterlicher Abgeſchiedenheit aufgeblühten reizen⸗ den Freudenwinkels trug, der ein genügſames Herz wohl vergeſſen machen konnte, daß das Auge über ſeine Begrenzungen wie über die Mauern eines Gefängniſſes