Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

Thränen mit einem Tuche ſorgſam abwiſchte,machen Sie ſich's nun bequem. Ich laſſe Sie einen Augenblick allein, um nachzuſehen, ob auf Ihrem Zimmer Alles in gehöriger Ordnung iſt. Wenn Sie nun bald ſelbſt eine Frau ſind, werden Sie ſelber erfahren, wenn Sie es noch nicht wiſſen, wie wenig man ſich auf das Geſinde verlaſſen kann. Ich bin bald wieder bei Ihnen.

Sie ging und ließ Ulriken allein, die, von vielerlei Eindrücken und Empfindungen beſtürmt, den Augenblick gern benutzte, um mit ſich ſelbſt ins Klare zu kommen und ſich zu ſammeln. Sie hatte die Reiſe mit frohem Entſchluſſe und in heiterſter Stimmung angetreten und wußte ſich ſelbſt nicht zu erklären, warum ſich ihrer r während derſelben und namentlich gegen das Ende zu eine gewiſſe Bangigkeit bemeiſtert hatte, die ſich auch jetzt noch nicht verſcheuchen laſſen wollte.Ich weiß nicht, wie mir iſt! ſagte ſie vor ſich hin, indem ſie ſich an eins der Fenſter auf den erhöhten Antritt ſetzte.

Wenn ich an Ahnungen glaubte, könnte mir dieſe Em⸗ pfindung an dieſem Orte faſt von ſchlimmer Vorbedeu⸗ tung ſein. Was iſt es nur, das mich beängſtigt? Ich liebe Friedrich, er liebt mich wieder; er iſt ein braver Mann, an deſſen Seite mein Glück gewiß iſt es iſt nichts als eine Thorheit, Aufregung des Blutes