157
hatte. Er ſah bleich und hinfällig aus; der wilde Bart um das entſtellte Geſicht ließ dieſes noch finſterer erſcheinen. Ein ſchlechter grober Leinwandkittel, an der Bruſt blutbefleckt, war ſein Gewand, denn die Wunde, die er erhalten, als er verrätheriſch den Feind in die Stadt geführt, wollte nicht heilen und marterte ihn mit Schmerzen, die den Schlaf von ſeinen Augen ſcheuchten. Noch mehr quälte ihn der Gedanke an ſein Geſchick, die Furcht vor dem Looſe, das ihm be⸗ vorſtand und das nach Allem, was er zu denken und zu erſinnen vermochte, kein freundliches ſein konnte. Wenn er ſich auch zuweilen damit beſchwichtigte und ſich ſelber vorſagte, er habe nichts ſo Entſetzliches ge⸗ than, er ſei gezwungen geweſen, ſo zu handeln, be⸗ ſchlich ihn doch immer wieder das ängſtliche Bewußt⸗ ſein, daß es vielleicht nicht das allein war, was vor dem weltlichen Richter ſeine Schale ſinken machte Er fürchtete ein Todesurtheil, und trotz ſeines elenden Lebens überkam ihn dann die Angſt vor dem Tode in ihrer furchtbarſten Geſtalt, ſodaß er an der Kette riß und raſſelte, gleich einem Wahnſinnigen brüllte und den Kopf gegen die Wand rannte, als wäre es ein Troſt, der gedrohten Vernichtung durch eine ſelbſt⸗ gewählte zu entgehen.
Er hatte eben wieder einen ſolchen Anfall über⸗


