150
die Jungfer Stauberin wieder in ihrer alten Beſchäf⸗ tigung begriffen und muſterte den Inhalt eines der rieſigen Holzſchränke, die an den Wänden der hohen breiten Corridore als Behälter für geringeren, darum aber nicht minder werthvollen Hausrath angebracht waren. Sie war mit dem Ergebniß der Prüfung zu⸗ frieden, denn die Invaſion der Oeſterreicher hatte das kurfürſtliche Reſidenzſchloß nicht berührt. Die Betrübniß, welche aus ihren Zügen ſprach, wollte deſſenungeachtet nicht weichen, wenn ſie auch alle Tücher, Gewande und Decken in beſter Ordnung wiederfand, das Klei⸗ nod, wonach ſie ſich am meiſten geſehnt, worauf ſie ſich vor allem gefreut hatte, fand ſie doch nicht wie⸗ der— der Bräutigam ſchien für ſie verloren und ganz und gar verſchollen zu ſein. War ihre Beſtürzung groß geweſen, als Duſchl Frankfurt plötzlich verließ und ihr nur in ein paar flüchtigen Zeilen meldete, daß ein geheimer Auftrag ſeines Gebieters ihn nach München führe, ſo war ihr Schrecken doch noch größer, als Woche um Woche verging, ohne daß der Ober⸗ kammerdiener zurückkehrte, als man ihn gar nicht zu vermiſſen ſchien und ein anderer ganz gleichmüthig ſeinen Dienſt verſah. Geradezu zu fragen ſcheute ſie ſich und auf leiſe Anfragen und Andeutungen erhielt ſie keinen Beſcheid, und da auch jede briefliche Nach⸗


