— 18—
nen mehr geweint, wo liebende Herzen nicht mehr getrennt werden.“
Der kleine Karl, der neben der Mutter ſtand, nahm ſeine Schweſter weinend und ſchluchzend bey der Hand, und ſagte:„Sey froh, liebe Lina, du wirſt nun ein ſchoͤner Engel im Him⸗ mel. Dort haſt du es beſſer, als hier auf Erden, wo wir immer ſo in Furcht und Aengſten leben muͤſſen. O, wie gerne ging ich mit Dir!“
Die Mutter kniete jetzt an dem Krankenbette der geliebten Tochter nie⸗ der, und ſprach, zum Himmel aufbli⸗ ckend:„Dir, o Gott, ſey ſie denn zum Opfer gebracht, und deiner Gnade und Erbarmung ganz und gar uͤberge⸗ ben!“ Sie ſchwieg einige Augenblicke — ſtand dann ſchnell auf— kuͤßte Lina— nahm Karl bey der Hand— und eilte zitternd und bebend ohne um zuſehen zur Thuͤre hinaus.
——


