les, was auch nur von Ferne einem Zwang aͤhn⸗
lich iſt, in der Seele verhaßt.— Jetzt iſt es
uns aber um ſo angenehmer, daß unſere Wuͤn⸗
ſche ohne unſer Zuthun erfuͤllt werden.“
Die Frau Graͤfin ſprach:„Ich wuͤnſche
Ihnen von Herzen Gluͤck, Herr Amtmann! Sie
erhalten in Marien die beſte Schwiegertochter und Ihr Sohn die beſte Ehegattin. Marie iſt in der Schule fruͤher Leiden gebildet, und das iſt die allerbeſte Schule. Alle Ecken, die ſich wohl auch in der Gemuͤthsart ſehr trefflicher Menſchen fin⸗ den, werden am beſten durch Leiden abgeſchlif⸗ 3 en. Marie iſt von Herzen demuͤthig. Sie ward zurch Schmeicheley nicht verwoͤhnt; ſie iſt die beſcheidenſte und anſpruchloſeſte Seele, die ich kenne; ſanft, wohlwollend, und— was die Wurzel alles Guten iſt— von ganzem Herzen fromm. Auch ward ſie von Kindheit an zur Ar⸗ beit gewoͤhnt, und da ſie alle haͤuslichen und laͤndlichen Arbeiten ſelbſt verrichtete, ſo verſtehet ſie es ſehr gut, einem Hausweſen vorzuſtehen. Das, was man feine Sitten und gute Lebensart nennt, hat ſie ſich in der Hauptſtadt, ohne Nachtheil ihrer Tugend, in kurzer Zeit eigen ge⸗ macht. Unſchuld und Schoͤnheit ſind in ihr ſehr ieblich vereinigt. Sie iſt in jeder Hinſicht das MNuſter eines vollkommenen Frauenzimmers. Ihr
Sohn wird mit Marien ſehr gluͤcklich ſeyn!“
„
—
85


