Druckschrift 
Das Blumenkörbchen : eine Erzählung, dem blühenden Alter gewidmet / von dem Verfasser der Ostereyer
Entstehung
[Giessen] [2024]
Einzelbild herunterladen

169

Sie ſetzte ſich in die Laube, in der ſie mit ihrem Vater ſo manche ſelige Stunde zugebracht hatte. Es war ihr, indem ſie in dem Garten umher blickte, den er im Schweiße ſeines Ange⸗ ſichts gebaut hatte als ſaͤhe ſie ihn noch ſtehen und gehen. Sie weihte ſeinem Andenken eine fromme Thraͤne; ſie konnte aber mit Ruhe, mit getrdſtetem Herzen daran denken, daß er ſich in ſchoͤneren Gegenden befinde, und dort einaͤrnte, was er hier aͤusſaͤete. 1

Marie kam jeden Fruͤhling auf einige Wochen nach Eichburg, und lebte hier an der Seite Ama⸗ liens, von jedermann geehrt und geliebt, immer ſehr frohe Tage. Eines Morgens ſaß ſie mit Amalia an dem Arbeitstiſchchen, und beyde wa⸗ ren ſehr beſchaͤftigt, ein Kleid fertig zu machen.

Da trat ganz unvermuthet der Herr Amtmann und zwar, wiewohl es Werktag war, im ſchar⸗

lachrothen Feſtkleide und mit friſchgepuderter Pe⸗ ruͤcke ſehr feyerlich in das Zimmer. Amalia und Marie ſchauten einander verwundert an, was dieß zu bedeuten habe. Der Amtmann bezeugte erſt Amalien ſeinen Reſpekt, und ſagte dann, daß er Jungfer Marien einen Antrag von großer Wichtigkeit zu machen habe. Sein Sohn Friederich, fing er nun zu Ma⸗ rien gewandt an, der ihm durch die Gnade Sei⸗ ner Erzellenz, des Herrn Grafen, in dem Amte adjun⸗