Druckschrift 
Das Blumenkörbchen : eine Erzählung, dem blühenden Alter gewidmet / von dem Verfasser der Ostereyer
Entstehung
[Giessen] [2024]
Einzelbild herunterladen

167

liebreich und erzaͤhlten ihr, wie zufrieden und vergnuͤgt ſie hier lebten.

Einſt, ſprach der Bauer mit Freudenthraͤ⸗ nen in den Augen, da Sie ohne Herberge wa⸗ ren, nahmen wir Sie unter unſer Dach auf; und jetzt, da wir gleichſam aus unſerer Woh⸗ nung vertrieben wurden, geben Sie uns fuͤr un⸗ ſere alten Tage dieſen freundlichen Aufenthalt.

Ja, ja, ſagte die Baͤuerin: Es iſt doch immer gut, freundlich und dienſtfertig gegen Au⸗ dere zu ſeyn; man weiß nicht, wie ſie uns wie⸗ der dienen koͤnnen.Nun, nun, ſprach der Bauer; daran dachten wir damals nicht, und thaten es auch nicht deßwegen. Indeß bleibt es immer ein wahres Wort:Seyd barmherzig, und ihr werdet Barmherzigkeit erlangen.

Marie ging in das Haus; die Wohnſtube, die Stelle, wo ehemals ihr Vater ſaß, weckte wehmuͤthige Erinnerungen in ihr. Sie ging in dem Garten umher. Jeden Baum, den ihr Va⸗ ter gepflanzt hatte, begruͤßte ſie, wie einen alten Bekannten; beſonders aber verweilte ſie bey dem Aepfelbaͤumchen, das eben jetzt in der ſchoͤnſten Bluͤthe ſtand.Ach, ſagte ſie, wie kurz iſt das Daſeyn des Menſchen hier auf Erden! Er geht fort, und Baͤume und Straͤuche uͤberleben ihn!