ſeinem Halſe die ſuͤßeſten Thraͤnen, von denen,
als ſie erwachte, ihre Wangen noch ganz naß waren.
Fünftes Kapitel. Marie vor Gericht.
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Marie war kaum erwacht, ſo trat ein Ge⸗ richtsdiener in das Gefaͤngniß, und fuͤhrte ſie vor Gericht. Ein Schauder uͤberlief ſie, als ſie in die duͤſtre, hochgewoͤlbte Gerichtsſtube, mit
den alterthuͤmlichen Fenſtern voll kleiner ſechs⸗ eckiger Scheiben hineintrat. Der Amtmann ſaß
als Richter in einem großen mit blutrothem Tuche uͤberzogenen Armſeſſel; der Aktuar mit der Feder in der Hand an einem ungeheuren Schreib⸗ tiſche, der vor Alters bereits ganz ſchwarz aus⸗ ſah. Der Richter legte ihr eine Menge Fragen vor; Marie beantwortete ſie alle der Wahrheit gemaͤß. Sie weinte, jammerte, betheuerte ihre Unſchuld. Allein der Richter ſprach:„Mich be⸗
truͤgeſt du nicht, das Unmoͤgliche fuͤr moͤglich zu
halten. Niemand kam in das Zimmer, als du;


