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Das Blumenkörbchen : eine Erzählung, dem blühenden Alter gewidmet / von dem Verfasser der Ostereyer
Entstehung
[Giessen] [2024]
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Marie konnte am Wiederſcheine des hellen Mond⸗ lichtes die vier Waͤnde des engen Kerkers, die rohen Ziegelſteine, aus denen ſie aufgefuͤhrt wa⸗ ren, die weißen Kalkfugen zwiſchen den rothen Steinen, das kleine Maͤuerlein, das in einer Ecke ſtatt eines Tiſches angebracht war, den ir⸗ denen Krug und das irdene Schuͤſſelein, die auf dem Maͤuerchen ſtanden, und jedes Haͤlmlein des Strohes, das ihr zum Lager diente, deutlich er⸗ kennen. So wie die dichte Finſterniß um Marie verſchwunden waͤr, wurde es ihr etwas leichter um das Herz. Es war ihr bey dem Anblicke des Mondes nicht anders, als erblickte ſie einen alten Freund.Kommſt du, ſagte ſie, lie⸗ ber Mond, und ſiehſt du dich nach deiner Freun⸗ din um? O damals, als du noch durch die gruͤnen Rebenblaͤtter am Fenſter in mein kleines Schlafkaͤmmerlein ſchieneſt, damals glaͤnzteſt du viel ſchoͤner und heller, als jetzt durch dieſes dicke, ſchwarze Eiſengitter. Trauerſt du etwa auch mit mir? Ach, ich haͤtte freylich nie ge⸗ glaubt, dich einmal ſo zu ſehen! Was macht wohl jetzt mein Vater? Wacht er jetzt vielleicht auch, und weinet und jammert er, wie ich? Ach, daß ich ihn doch nur einen Augenblick ſehen koͤnnte! Du, lieber Mond, blickeſt vielleicht jetzt auch in ſeinen Kerker! O, koͤnnteſt du doch re⸗ den, koͤnnteſt du ihm doch ſagen, wie ſeine Ma⸗ rie um ihn weine und jammere!