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Das Blumenkörbchen : eine Erzählung, dem blühenden Alter gewidmet / von dem Verfasser der Ostereyer
Entstehung
[Giessen] [2024]
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es bereits Nacht. Alles um ſie her war dunkel und ſie konnte nichts unterſcheiden. Sie wußte lange nicht, wo ſie war. Die Geſchichte mit dem Ringe kam ihr wie ein bloßer Traum vor, und ſie meynte aufangs, ſie befinde ſich in ihrem Bette. Sie fing ſchon an, ſich zu freuen al⸗ lein da fuͤhlte ſie die Ketten an ihren Haͤnden, und das Raſſeln derſelben klang fuͤrchterlich in ihren Ohren. Erſchrocken fuhr ſie von ihrem Strohlager auf.O was kann ich anders thun, rief ſie, und ſank auf die Knie, als dieſe gefeſſelten Haͤnde zu Dir empor heben, lie⸗ ber Gott! O blicke in dieſes Gefaͤngniß, und ſieh mich hier auf meinen Knien. Du weißt es, daß ich unſchuldig bin! Du biſt der Retter der Unſchuld! Rette mich! Erbarme Dich meiner erbarme Dich meines armen alten Vaters! O gieb doch nur wenigſtens ihm Troſt in das Herz und laß lieber mich alle Leiden doppelt fuͤh⸗ len!

Ein Strom von Thraͤnen floß bey dem Ge⸗ danken an ihren Vater aus ihren Augen; Schmerz und Mitleiden erſtickten ihre Stimme. Sie wein⸗ te und ſchluchzte lange ſo fort. 5

Jetzt ſchien der Mond, den bisher ſchwere Gewitterwolken bedeckt hatten, durch das kleine, ſchwarze Eiſengitter in ihren Kerker, und bildete das Gitter auf dem Boden des Gefaͤngniſfes ab.