„Ey, giebt es denn ſchon Maybluͤmchen!“ rief die junge Graͤfin, die dieſe Bluͤmchen mehr als alle andern Blumen liebte. Marie both ſo⸗ gleich jeder der beyden Graͤfinnen ein Straͤußchen an. Sie nahmen es mit Vergnuͤgen, und die Mutter zog ihre Goldboͤrſe von purpurrother Seide heraus, und wollte Marien beſchenken.
Allein Marie ſagte:„O nicht doch; es iſt ganz und gar nicht deßwegen geſchehen! Goͤnnen Eure Erzellenz einem armen Maͤdchen die Freu⸗ de, ihrer gnaͤdigen Herrſchaft, von der ſie ſchon ſo viel Gutes empfing, auch eine kleine Freude zu machen, ohne an eine Belohnung zu denken!“
Die Graͤfin laͤchelte freundlich, und ſagte, Marie ſolle Amalien noch oͤfter Maybluͤmchen bringen. Marie that es jeden Morgen, und ſo kam ſie, ſo lange die Maybluͤmchen bluͤhten, taͤg⸗ lich in das Schloß. Amalia fand an Mariens gutem, natuͤrlichem Verſtande, ihrem heitern, froͤhlichen Sinne, ihrem beſcheidenen, ungekuͤn⸗ ſtelten Betragen taͤglich mehr Wohlgefallen. Marie mußte noch manche Stunde in Amaliens Geſellſchaft zubringen, nachdem alle Maybluͤm⸗ chen ſchon laͤngſtens verbluͤht waren. Ja, die junge Graͤfin ließ es ſich dfter nicht undeutlich merken, daß ſie Marien immer um ſich zu haben wuͤnſche, und ſie deßhalb noch in ihe Dienſßr zu. nehmen gedenke.


