Druckschrift 
Das Blumenkörbchen : eine Erzählung, dem blühenden Alter gewidmet / von dem Verfasser der Ostereyer
Entstehung
[Giessen] [2024]
Einzelbild herunterladen

4

ter wußte durch erheiternde und belehrende Ge⸗

ſpraͤche die Arbeit zum Vergnuͤgen zu machen. Marie, die unter Kraͤutern und Blumen auf⸗

wuchs, und deren Welt der Garten war, hatte

von Kindheit an eine große Freude an ſchoͤnen

Blumen. Der Vater ließ daher jedes Jahr eini⸗

ge Samen, Zwiebeln und Ableger von Blumen kommen, die ſie noch nicht kannte, und erlaubte ihr, den Rand der Gartenbeete mit Blumen zu bepflanzen. So hatte Marie in ihren freyen Stunden fortwaͤhrend eine angenehme Beſchaͤfti⸗ gung. Sie pllegte die zarten Pflaͤnzlein auf das ſorgfältigſte, betrachtete faſt jede fremde Knoſpe nachſinnend und rathend, was fuͤr eine Blume ſie wohl enthalte; konnte kaum erwarten, bis ſie aufbrach, und hatte dann, wenn die ſehnlich er⸗ wartete Blume in ihrer Pracht daſtand, eine ganz unbeſchreibliche Freude.Das iſt eine rei⸗ ne, ſchuldloſe Freude, ſagte dann der Vater laͤ⸗

chelnd. Mancher giebt mehr Gulden fuͤr Gold

und Seide aus, als ich Kreuzer fuͤr Blumenſa⸗ men, und macht ſeiner Tochter doch lange kein ſo großes und unſchuldiges Vergnuͤgen damit. In der That bluͤhten fuͤr Marie jeden Monat, ja jede Woche neue Freuden auf. Sie ſagte oft in ihrem Entzuͤcken:Das Paradies konnte kaum ſchoͤner ſeyn, als unſer Garten! Es ging auch nicht leicht jemand an dem Garten vorbey,

4 f 4