Druckschrift 
Eustachius : Eine Geschichte der christlichen Vorzeit / neu erzählt für die Christen unserer Zeit von dem Verfasser der Genovefa
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 169—

„Wenn ein Schaf in eine Grube fiel, und ich dann voll Mitleids es herauszog, ka⸗ men mir jene Worte Jeſu zu Sinn:„Wer iſt unter euch, der ein einziges Schaf hat, und der es, wenn es in eine Grube faͤllt, nicht ſogar am Sabbathe ergreife und herausziehe? Und um wie viel beſſer, als ein Schaf iſt ein Menſch!“ Ich nahm mir dann immer vor, mit einem Men⸗ ſchen, den ich in Noth ſehen wuͤrde, noch viel⸗ mehr Erbarmen, als mit einem Schafe zu ha⸗ ben, und ihm zu helfen; zugleich regte ſich ein großes Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes und die Liebe Jeſu zu uns Menſchen in meinem Herzen, und ich faßte den Vorſatz in keiner Noth zu verzagen. Denn wie ſollten Gott und ſein lie⸗ ber Sohn gegen uns nicht barmherziger ſeyn, als ich gegen ein Schaf!“

„Einen ſchauerlichen Eindruck machte es im⸗ mer auf mich, wenn der Tag kam, wo ich Schaf⸗ boͤcke und Schafe auseinander ſcheiden mußte; die Boͤcke dann fortgetrieben wurden zur Schlacht⸗ bank, die Schafe aber dablieben, und ruhig fort⸗ weiden durften auf der ſchoͤnen gruͤnen Weide. Ich dachte dann jenes ſchrecklichen Tages, da der Menſchenſohn in ſeiner Herrlichkeit kommen, und die Boͤſen und Guten, wie ein Hirt die Schafe und Boͤcke, von einander ſcheiden wird— und die Boͤſen dann eingehen werden in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.“

Theopiſtus ſchloß mit den Worten:„Ich re⸗ dete vielleicht zu viel von bekannten Dingen. Al⸗