Druckschrift 
Eustachius : Eine Geschichte der christlichen Vorzeit / neu erzählt für die Christen unserer Zeit von dem Verfasser der Genovefa
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 168—

„Weun ich den Wolf kommen ſah, der die Schafe anfallen und erwuͤrgen wollte, wenn ich dann ſelbſt das Leben daran wagte, die Schafe zu vertheidigen— wie wurden mir da jene ſchoͤ⸗ nen Worte Jeſu ſo klar und lebhaft:„Ich bin ein guter Hirt; ich laſſe mein Leben fuͤr meine Schafe; niemand wird ſie mir aus meiner Hand

reißen.“ Ach, ſagte ich dann oft, wer ſollte Ihn nicht lieben, und Ihm nicht vertrauen? Ohne Ihn waͤren die Menſchen eine Heerde ohne Hirten.“

„Das Gleichniß Jeſu von dem verlornen Schafe iſt ſo recht aus dem Hirtenleben her⸗ ausgenommen. Oft geſchah es, daß ein Schaf von meiner zahlreichen Heerde verirrte, und daß ich dann hinging uͤber Berg und Thal, und nicht aufhoͤrte es zu ſuchen, bis ich es gefunden hatte. Und welche Freude hatte ich, wenn ich es end⸗ lich erblickte! Wie trug ich es auf meinen Schul⸗ tern zuruͤck! Wie rief ich meinen Nachbarn zu: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war! gerade ſo, wie Jeſus dieſes alles beſchreibt. Da gingen mir dann die Worte Jeſu recht zu Herzen:„So wird auch Freude im Himmel ſeyn uͤber einen Suͤn⸗ der, der Buße thut.“ Welche Liebe, welche Er⸗ barmung! dachte ich. Nicht nur angenommen wird der bußfertige Suͤnder; der ganze Himmel freut ſich noch uͤber ihn. Ich ward ſo geruͤhrt, daß ich jedem Suͤnder haͤtte laut zurufen moͤgen: O moͤchteſt du denn nicht das wiedergefundene Schaf auf den Schultern des guten Hirten ſeyn!“⸗