Druckschrift 
Eustachius : Eine Geschichte der christlichen Vorzeit / neu erzählt für die Christen unserer Zeit von dem Verfasser der Genovefa
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 153—

dort auf dem Tiſche und als alle Schaͤtze mei⸗ nes Mannes.“

„Lydia redete hierauf mit mir von den Kunſt⸗ arbeiten, wegen deren ihr. Mann mich gekauft hatte. Ihr vorzuͤglichſtes Geſchaͤft, außer der Auf⸗ ſicht uͤber die Haushaltung, war, Purpur, Byſ⸗ ſus und koſtbaren Schmuck fuͤr Frauen zu pruͤ⸗ fen, zu ordnen, und zum Verkaufe herzurichten; auch mußte ſie den Sklavinnen, die unausgeſetzt bunte Zeuge webten oder in Gold und Seide ſtickten, die Muſter und Zeichnungen vorlegen und fleißig nachſehen, ob die Vorlagen auch rich⸗ tig ausgefuͤhrt wuͤrden. Sie holte mehrere Zeich⸗ nungen zu Stickereyen herbey, und ließ mir die Wahl, was fuͤr eine ich in Arbeit nehmen wolle. Ich waͤhlte diejenige, die mir am meiſten geſiel, die aber auch die ſchwerſte war, und mit Gold in Purpur geſtickt werden ſollte. Ach, ich hatte nie gedacht, mit einer Kunſt, die ich nur zu mei⸗ nem Vergnuͤgen trieb, mir noch einſt das taͤgliche Brod verdienen zu muͤſſen. Indeß fand ich, daß es ſehr gut iſt, wenn man in der Jugend etwas gelernt hat. Als der Kaufmann nach einigen Stunden kam, um zu ſehen, wie meine Probe⸗ arbeit ausfalle, war er mit meiner Geſchicklichkeit und noch beſonders mit meiner Schnelligkeit im Arbeiten hoͤchſt zufrieden, und ertheilte mir einen Lobſpruch, der in ſeinem Munde nicht wenig ſa⸗ gen wollte.„Nun, ſprach er, das viele Geld, das ich fuͤr dich auslegen muß, iſt nicht wegge⸗ worfen.“