Druckschrift 
Eustachius : Eine Geschichte der christlichen Vorzeit / neu erzählt für die Christen unserer Zeit von dem Verfasser der Genovefa
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—— 152—

hier in der Stadt die Verfolgung der Chriſten ausbrach, und einige auf eine ſchauerliche Art zu Tode gefoltert wurden, war er vor Schrecken faſt außer ſich. Er zitterte, wenn meine Mutter oder ich den Namen Chriſtus nur nannten. Er verbot es uns aufs ſtrengſte, dem Gottesdienſte der Chriſten, den ſie heimlich noch hie und da hielten, beyzuwohnen; ja er gab es nicht ein⸗ mal zu, daß wir die chriſtlichen Frauen in der Stadt beſuchten oder Beſuche von ihnen annah⸗ men. Meine Mutter und ich waren daruͤber ſehr betruͤbt, und weinten im Stillen oft heiße Thraͤ⸗ nen. Vor drey Monaten ward nun dieſe meine Mutter heim gerufen in unſer himmliſches Va⸗ terland, und ließ mich allein und von allen chriſt⸗ lichen Freunden und Freundinnen getrennt, in tiefer Betruͤbniß zuruͤck. Und du kannſt dir nun, ſagte ſie unter einem Strome von Thraͤnen, wohl denken, welch ein Troſt es mir ſeyn muß, in dir eine chriſtliche Schweſter zu finden. Zwar vor der Welt und vor meinem Manne muß ich deine gebietende Frau, und du mußt meine Sklavin bleiben. Allein unter vier Augen ſind wir Schwe⸗ ſtern; ja ich gebe dir, als einer weiſern chriſt⸗ lichen Freundin, willig den Vorzug.“

„,Sie ſtellte mir nun ihre Kinder, zwey kleine liebliche Maͤdchen vor, und zeigte mir auch ihr kleinſtes Kind, ein ſchoͤnes Knaͤblein, das noch in der Wiege lag.„Dieſe meine Kinder mußt du mir dem Himmel erziehen helfen, ſprach ſie. Dieſe Perlen ſind mir koͤſtlicher, als jene Perlen

— 1 8 1 „