— 139— Sechzehntes Kapitel. Der junge Hirt.
„Meine Geſchichte, ſprach hierauf Theopiſtus, iſt der Geſchichte meines Bruders ſehr aͤhnlich; ich kann alſo etwas kuͤrzer ſeyn.“⸗
„Wie der Wolf mich fort trug, hat der Va⸗ ter noch geſehen. Zwey wackere Maͤnner jagten mich dem Thiere ab. Sie waren zwey Hirten, die in dem waldigen Gebirge einen Widder ſuch⸗ ten, der ſich von der Heerde verirrt hatte. Da hoͤrten ſie ploͤtzlich das Geſchrey eines Kindes. Sie ſprangen hin, und erblickten den Wolf, der ſcheu und fluͤchtig, wie ein Raͤuber, mit mir zu entrinnen ſuchte. Sie hatten einen großen zot⸗ tigen Hund bey ſich, der an Muth und Staͤrke einem Wolfe wenig nachgab. Der Hund ſtuͤrzte, von den Maͤnnern angehetzt, ſogleich wuͤthend auf den Wolf zu, und packte ihn im Genicke. Der Wolf ließ mich los, und wehrte ſich ſeiner Haut. Die Maͤnner kamen mit Spießen bewaffnet nach, und erlegten den Wolf. Hierauf ſahen ſie ſich nach mir um. Der Wolf hatte mich nur bey meinem Kleide gepackt und fortgeſchleppt, und mich deßhalb nicht verletzt. Als ſie daher an mir weder Blut noch Wunden fanden, waren ſie ſehr erfreut, und dankten Gott.“
„Einer der zwey Hirten nahm mich auf den Arm, und trug mich mit ſich fort in ſein Haus. Er fragte mich zu Hauſe, als ich mich von dem
* Schrecken erholt hatte, und wieder reden konnte,


