— 158— vorfielen, war ich immer ſehr gluͤcklich, und wurde, da einſt der Hauptmann unſrer Schaar von ei⸗ nem Pfeile durchbohrt worden, von dem Feld⸗ herrn zum Hauptmanne ernannt. Mein Bruder war mit einem andern Zuge neuausgehobener Mannſchaft angekommen. Auch er wurde von 3 dem Feldherrn zu einem Satelliten auserkohren, aber einer andern Schaar zugetheilt; auch er 4
ſchwang ſich, wie ich, ſehr bald zum Hauptman⸗ ne empor. Als Hauptleute lernten wir uns 3 bald von Angeſicht kennen; aber wie haͤtte uns einfallen koͤnnen, wir ſeyen leibliche Bruͤder! Wir ſprachen uns auch oͤfter, aber blos im Dien⸗ ſte, und uͤber Kriegsangelegenheiten. Erſt an dem heutigen ruhigen Tage, nach erkaͤmpftem Frieden, ward mir die Veranlaſſung, die Ge⸗ ſchichte meiner Kindheit zu erzaͤhlen, und ſo, oh⸗ ne es ſelbſt zu wiſſen, das Geheimniß zu offen⸗ baren, daß wir Bruͤder ſeyen.“ „Weiſe und wunderbar hat Gottes heilige Vorſehung unſer Aller Wiederfinden und Wieder⸗ erkennen herbeygefuͤhrt. O welche Freude war es fuͤr uns Juͤnglinge, die wir uns laͤngſt kannten und ſchaͤtzten, uns nun als Bruͤder zu erkennen; welches Entzuͤcken in dem ſiegreichen Feldherrn, der heute ſeine Lorbeeren mit uns getheilt hatte, einen liebevollen Vater zu erblicken; welche Se⸗ ligkeit, als der eben erkannte Vater uns der noch unbekannten liebenden Mutter zufuͤhrte! Wir koͤnnen in Wahrheit ſagen:„Das iſt ein Tag, den uns der Herr bereitet hat; laßt uns ihn feyern mit Freude und Jubelgeſang!“
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