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vor dem Sie den Schwur Ihrer Treue und Liebe ablegen koͤnnen?“
„Das fuͤrchte ich, wird mir leider nie geſtat⸗ tet werden,“ entgegnete ich,„unuͤberſteigbare Hin⸗ derniſſe thuͤrmen ſich der Erfuͤllung meines heiße⸗ ſten Wunſches entgegen, ach, Don Lorenzo, Sie
wiſſen nicht——
„Ich weiß Alles,“ unterbrach mich der Mar⸗
quis,„aber ich bin entſchloſſen, mich uͤber jed⸗
wedes Vorurtheil hinweg zu ſetzen. Sie haben Ihrem Vaterlande wie ein Ehrenmann gedient, koͤnnen Sie auch keine Liſte zahlreicher Ahnen auf⸗ weiſen, gewaͤhren mir dennoch Ihr Ehrgefühl und Ihre Herzensguͤte reichlichen Erſatz dafuͤr. Die Dienſte aber, die Sie mir und Jſabellen geleiſtet
haben, verlangen noch ganz beſonders unſere Dank⸗ barkeit, und ich lege demnach mit Freuden ihre
Hand in die Ihrige.“ Waͤhrend er dieſe letzten Worte ſprach, klopfte
mein Herz vor Entzuͤcken; aber ich zitterte un⸗
willkuͤrlich, als ich nun meine Blicke nach Iſabel⸗
len lenkte. Sie theilte offenbar meine Gemuͤths⸗
bewegung, ſtreckte mir aber liebevoll ihre Hand
entgegen,„ja,“ ſprach ſie, mit einem himmliſchen
Laͤcheln,„ja Eſteban, ich bin die Deine!“— Ich ſtuͤrzte mich in ihre Arme, und hielt ſie
lange, lange innig umſchlungen.— Der Tag unſerer
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