Teil eines Werkes 
1. Band (1828)
Entstehung
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ſchnell blickte ſie um ſich, ſo, als fürchte ſie, es 3 habe jemand ihre unwillkürliche Handlung be⸗ lauſcht. Wenn übrigens ein menſchliches Auge Zeuge dieſes Erguſſes der reinſten Liebe gewe⸗ ſen wäre, die je eine weibliche Bruſt erwärmte, es würde, wenn es auf das Bild in ihren Händen geſchauet hätte, ihr Gefühl leicht begriffen haben.

Es war das Portrait eines jungen Mannes, dem Anſchein nach von ungefähr zwanzig Jahren. Die Majeſtät der offenen Stirn, die Seele des

danklen Auges und das leichte ausdrucksvolle

Laͤcheln des Mundes, das einen ungemeinen Scharfſinn und eine Ueberzeugung von der Nich⸗ tigkeit der irdiſchen Dinge beurkundete, würden dem Antlitz vielleicht den Ausdruck eines mehr vorgerückten Alters gegeben haben, hätte nicht die blühende Farbe der Jugend auf der Wange gethront, wäre die edle Stirn, der offenbare Wohnſitz eines hellen Verſtandes, nicht noch ganz frei von den Furchen der Sorge und der Zeit

geweſen.