— 57— Verbindung betrifft,— es war ein Traum, und ich bin er⸗ wacht!— Aber komm,— noch lebt dein Vater— komm! und ein einziges Wort der Liebe, eine einzige Thraͤne der Reue, wird das Andenken an alles Vorgefallene vertilgen.“
„Habe ich nicht ſchon geſagt, Treſſilian, entgegnete ſie, daß ich gewiß zu meinem Vater kommen werde, und zwar ohne laͤngern Verzug als noͤthig iſt, mich anderer eben ſo heiliger Pflichten zu entledigen?— Geh, bring' ihm dieſe Nachricht— ich komme ſo gewiß die Sonne am Himmel glaͤnzt!— nehmlich, wenn ich Erlaubniß erhalte.“
„Erlaubniß?— Erlaubniß! Euren Vater auf ſeinem Siechbette, vielleicht auf ſeinem Sterbebette zu beſuchen,“ rief Treſſilian mit Ungeduld aus,„und Erlaubniß, von wem? Von dem Elenden, der unter der Larve der Freund⸗ ſchaft alle Pflichten der Gaſtfreiheit mit Fuͤßen trat, und Dich aus dem Hauſe deines Vaters ſtahl!“
„Läſtere nicht, Treſſilian!— der, von dem Du redeſt, traͤgt ein Schwerdt, ſcharf wie das deine— ja ſchaͤrfer, ſtol⸗ zer Mann— denn alle Thaten, die Du auch im Kriege und Frieden vollfuͤhrteſt, ſind eben ſo unwuͤrdig neben den ſeinen genannt zu werden, als dein niedrer Rang unter der Sphaͤre ſteht, in der er ſich bewegt. Verlaßt mich! richtet meinen Auftrag an meinen Vater aus, und wenn er wieder eine Sendung macht, moͤg' er einen willkommneren Boten waͤhlen.“.
„ Emmy," erwiederte Dreſſilian ruhig,„deine Vorwuͤrfe koͤnnen mich nicht aus der Faſſung bringen.— Eins ſage mir, auf daß ich nur einen Strahl des Troſtes meinem alten Freunde uͤberbringe,— der hohe Rang deſſen, den Du ruͤhmſt, theilſt du ihn mit ihm, Emmy?— Steht ihm das Recht eines Gemahls uͤber deine Handlungen zu?“—


