.— 56—
„Hemmt Eure niedrige unſittige Zunge,“ ſagte die La⸗ dy,„ich wuͤrdige keiner Frage, die meine Ehre beſieckt, eine Antwort.“ Phse
„Ihr habt genug geſagt, indem Ihr die Antwort ver⸗ weigert“ erwiederte Treſſilian;„hoͤre mich Ungluͤckliche! Ich habe deines Vaters ganze Vollmacht, Dir Gehorſam zu ge⸗ bieten, und ich will Dich der Sinne und des Jammers ent⸗ reißen, ſelbſt wider deinen Willen.“
„Droht nicht mit Gewalt,“ rief die Lady, indem ſie ſich von ihm wandte, erſchreckt uͤber die Entſchloſſenheit, die
1
aus ſeinen Blicken und Geberden ſprach;„droht nicht, ich
habe Mittel, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben.“
„Aber hoffentlich nicht den Wunſch, ſie in einer ſo boͤ⸗ ſen Sache zu gebrauchen,“ erwiederte Treſſilian.„Mit dei⸗ nem Willen,— mit deinem einflußfreien Willen, Emmy!
kannſt Du dieſen Aufenthalt der Selaverei und Entehrung
nicht waͤhlen— Du biſt durch Zauber gebannt,— durch Kunſtgriffe verſtrickt— durch ein erzwungenes Geluͤbde ge⸗ feſſelt.— Aber ich loͤſe dieſen Zauber.— Emmy, im Na⸗ men deines trefflichen, tiefgebeugten Vaters, gebiete ich Dir, mir zu folgen.“
Waͤhrend er ſo ſprach, ſchritt er auf ſie zu, und ſtreckte
ſeinen Arm aus, als wolle er ſie ergreifen; ſie aber ſprang zuruͤck und ſtieß einen lauten Schrei aus, der, wie wir fruͤ⸗
her berichteten, Lambourne und Foſter ins Zimmer brachte.
„Feuer und Brand,“ rief der Letztere, ſo wie er ins
Gemach trat;„was geht hier vor;“ und nun ſich mit einem
halb bittenden, halb befehlenden Tone zur Lady wendend, fuhr er fort:„Ums Himmels willen, Madam! was thun Sie außer Ihren Zimmern? Fort— fort— hier handelt
ſich's um Tod und Leben.— Und Ihr Freund! wer Ihr


