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„Ach, Emmy!“ ſprach Treſſilian mit leiſem melancho⸗ liſchen Tone, indem er geſtattete, daß ſie den Mantel von ſeinem Geſichte zog. Der Ton ſeiner Stimme, und noch mehr, der unerwartete Anblick ſeines Geſichtes verwandelte ploͤtzlich die ſcherzhafte Laune der jungen Dame. Sie bebte zuruͤck, ward bleich wie der Tod, und bedeckte ihr Geſicht mit den Haͤnden. Treſſilian hatte ſelbſt auf einen Augenblick die Faſſung verloren, ſchien aber ſchnell ſich zu erinnern, daß er eine Gelegenheit benutzen muͤſſe, die ſich ſo leicht nicht wieder darbieten moͤchte, und ſprach mit weicher Stimme: „Emmy! fuͤrchte mich nicht!“ 4
„Warum ſollte ich Euch fuͤrchten, ſagte die Lady, die Haͤnde von den ſchoͤnen Geſicht zuruͤckziehend, welches nun mit Purpurroͤthe uͤbergoſſen war.„Warum ſollte ich Euch fuͤrchten, Herr Treſſilian— und warum ſeyd Ihr in meine Wohnung eingedrungen, unaufgefordert, und gegen meinen Wunſch?“
„Eure Wohnung, Emmy?“ wiederholte Treſſilian.„Iſt ein Gefaͤngniß Eure Wohnung?— Ein Gefaͤngniß, gehuͤtet von einem Menſchen— der Veraͤchtlichſte ſeines Gleichen, aber dennoch kein groͤßerer Bbſobiche, als der, in deſſen Dienſt er ſteht.“
„Dies Haus iſt mein,“ entzegne Emmy,„mein, weil
ich es zu meinem Aufenthalte waͤhlte.— Wenn es mir Ver⸗
gnuͤgen macht, in der Verborgenheit zu leben, wer will mich
daran hindern?“
„Euer Vater,“ antwortete Treſſilian,„Euer ungluͤckli⸗ cher, gebeugter Pater, der mich ausſandte, Euch aufzuſuchen, mit aller Vollmacht, die er perſoͤnlich auszuuͤben nicht im Stande iſt. Hier iſt ſein Brief, geſchriehen, indem er ſeine


