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in der uͤbel angebrachten Zaͤrtlichkeit, mit welcher man ihrer 4 Jugend die unangenehme, aber hoͤchſt nutzliche Lehre von Selbſtbeherrſchung und Gehorſam erſparte. Dieſe Nachſicht hatte auch zur Folge gehabt, daß ſie nur gewohnt war, Wuͤnſche zu faſſen und ſie auszuſprechen, Andern die Erful⸗ lung derſelben uͤberlaſſend; und ſo war ſie alſo jetzt, in dem wichtigſten Augenblicke ihres Lebens, durchaus ohne Geiſtes⸗ gegenwart und unfaͤhig, irgend einen vernuͤnftigen ernſten Plan fuͤr ihr ferneres Betragen zu entwerfen.
Dieſe Schwierigkeiten traten der ungluͤcklichen Graͤfin an dem Morgen des Tages uͤberwaͤltigend entgegen, an welchem, dem Anſcheine nach, ihr Schickſal entſchieden werden ſollte. Keinem andern Gedanken Raum gebend, hatte ſie nur ge⸗ wuͤnſcht, Kenilworth und die Naͤhe ihres Gemahls zu errei⸗ chen. Jetzt aber, wo ſie ihrem Ziele ſo nahe war, erſtiegen tauſend Beſorgniſſe in ihrer Seele, theils gegruͤndete, theils eingebildete, alle aber durch ihre huͤlfloſe, von Beiſtand und Rath durchaus entbloͤſte Lage furchtbar geſteigert.
Nach einer ſchlafloſen Nacht fuͤhlte ſie ſich ſo kraftlos,
daß es ihr unmoͤglich war, Waylands fruͤhem Rufe Folge zu leiſten. Ihr treuer Fuͤhrer ward ſehr beſorgt, ſowohl ihret⸗ als auch ſeinetwegen, und ſchon ſtand er im Begriff, ſich alllin nach Kenilworth auf den Weg zu machen, um Treſſilian dort aufzuſuchen, als ihn die Graͤfin gegen neun Uhr des Mor⸗ gens zu ſich rufen ließ. Er fand ſie angekleidet und zu ihrer Abreiſe bereit, aber mit einer Todtenblaͤſſe in dem Geſichte, welche ihn fuͤr ihre Geſundheit fuͤrchten ließ. Sie wiederholte ihren Befehl, die Pferde auf der Stelle zur Reiſe fertig zu halten, den Vorſtellungen ihres Fuͤhrers, doch vorher einige Erfriſchungen zu ſich zu nehmen, mit Un⸗ geduld widerſtrebend.„Ich habe ein Glas Waſſer getrun⸗ ken,“ ſprach ſie;„der Elende, den man zum Hochgericht


