Teil eines Werkes 
2. Band (1823)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 196—

an der Pforte— jetzt muß ich Dir Lebewobl ſagen, Janette, Weine nicht, mein gutes Maͤdchen!“ fuhr ſie fort, indem ſie ſich bemuͤhete den eigenen Kummer uͤber die Trennung von ihrer treuen Dienerin unter einem Anſchein von Heiter⸗ keit zu verbergen.„Einſt ſehen wir uns wieder; aber dann, Janette, laß mich Dich, ſtatt mit dieſem hohen einfachen Halstuche, mit einem huͤbſchen offenen Spitzenkragen wieder⸗ finden, damit man doch deinen weißen Hals ſehen kann, und ſtatt in deinem wollenen Mieder in einem goldgeſtick⸗ ten Sammtgewande. Du wirſt in meinen Zimmern reichlich von allem finden, und alles uͤberlaſſe ich Dir mit Freuden. Du mußt geſchmuͤckt ſeyn, Janette; obgleich Du bis jetzt nur die Dienerin einer armen Lady ohne Ruf und Namen warſt, mußt Du doch, wenn wir uns wiederſehen werden, wie eine Dame gekleidet ſeyn, der erſten Graͤfin Englands zunaͤchſt in der Liebe wie in dem Dienſte.“—

„Gott gebe es, theure Gebieterin! nicht etwa, daß ich geſchmuͤckter erſcheine, ſondern daß wir beiderſeits unſere Kleider uͤber leichteren Herzen tragen.“ Waͤhrend dieſer letzten Worte hatte das Schloß an der Pforte nach einigem Widerſtande dem Hauptſchluͤſſel nachge⸗ geben, und die Graͤfin ſah ſich nun, nicht ohne innere Furcht, außer dem Bereich der Mauern, welche ihr Gemahl ihr als die Graͤnze ihrer Schritte angewieſen hatte. Ihrem Erſchei⸗ nen mit großer Ungeduld entgegen harrend, ſtand Wayland Smith in einiger Entfernung, hinter der Hecke an der Land⸗ ſtraße, verborgen.

„Iſt alles bereit?“ fragte Janette, als er ſich ihnen be⸗ b hutſam naͤherte.

„„Alles,“ entgegnete Wayland;„aber ich bin nicht im Stande geweſen ein Pferd fuͤr Mylady anzuſchaffen. Giles Gosling, der feighertige Kerl, wollte mir um keinen Preis