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„Fuͤhlt Ihr euch ſchon ſtark genug, den Bericht dar⸗ uͤber zu hoͤren, und kraͤftig, ſie zu unternehmen?“
„Stark genug!“ antwortete die Graͤfin,—„frage das kluͤchtige Reh, wenn der Windhund im Begriff ſteht, es zu erfaſſen, ob es ſich auch ſtark genug fuͤhle, die vor ihm lie⸗ gende Kluft zu uͤberſpringen; ich bin jeder Anſtrengung faͤ⸗ hig, welche mich von dieſem Orte wegtubeingen im Stande iſ. 74
„So hoͤrt denn,“ ſagte Janette;„Jemand, den ich fuͤr einen Eurer treueſten Freunde halte, hat ſich mir unter ab⸗ wechſelnder Verkleidung gezeigt, und mit mir uͤber Dinge zu ſprechen geſucht, welche bis heute noch nicht ganz klar vor meiner Seele ſtanden,— immer wich ich aus. Er war es, jener Hauſirer, von dem Ihr den Putz kauftet, jener lahme Handelsmann, von dem ich die Buͤcher erhandelte; ſo wie ich mich nur außer dem Hauſe blicken ließ, war ich ſicher, auf ihn zu ſtoßen; die Begebenheiten dieſes Abends beſtimmten mich, mit ihm zu reden. Eben jetzt harrt er an der Hinterthuͤr des Parks, mit Mitteln zu Eurer Flucht;— fuͤhlt Ihr aber auch Koͤrperſtaͤrke genug? Fehlt es Euch auch nicht an Seelenmuth?— Wollt Ihr das Unternehmen be⸗ ginnen?“
„Wer dem Tode enteilen will, findet Koͤrperſtaͤrke,“ entgegnete die Lady;„wer entſchloſſen iſt, der Schande zu entgehen, dem gebricht es nicht an Seelenkraft. Der Ge⸗ danke, aus dem Bereich deſſen zu entfliehen, der mein Leben und meine Ehre in gleichem Maaße bedroht, wuͤrde mir Kraft verleihen, mich ſelbſt von dem Sterbelager zu erheben.“
„In Gottes Namen denn, theure Graͤfin!“ ſagte Ja⸗ nette;„ich muß Euch Lebewohl ſagen, und Euch dem Schutze des Aumaͤchtigen uͤbergeben.“


