Teil eines Werkes 
2. Band (1823)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 170—

Die Thuͤr ward eroͤffnet und aufgeſtoßen, und Janette und ihr Vater ſtuͤrzten hinein, aͤngſtlich beſorgt, die Urſache dieſes Huͤlfsgeſchrei's zu erfahren.

Als ſie in das Zimmer traten, ſtand Varney an der Chuͤr mit feſt zuſammen gebiſſenen Zaͤhnen, und einem Aus⸗ druck im Geſicht, in dem ſich Wuth, Schaam und Furcht zu theilen ſchienen. Die Graͤfin ſtand in der Mitte des Ge⸗ mach's wie eine jugendliche Pythia, in dem Moment der Begeiſterung. Die Adern an ihrer ſchoͤnen Stirn waren durch die heftige Cireulation ihres Blutes zu blauen Linien aufgetrieben worden— Wangen und Hals glichen dem Scharlach— und ihre Augen ſpruͤhten Feuer, wie die eines gefangenen Adlers, welcher flammende Blicke auf die Beute ſendet, die er zu erreichen nicht im Stande iſt. Koͤnnte je eine Grazie zur Furie entflammt werden, aus ihrem Antlitz wuͤrde nicht mehr Schoͤnheit, verbunden mit mehr Verach⸗ tung, Zorn und Trotz, leuchten koͤnnen. Ihre Stellung und Geberden ſtimmten mit ihren Geſichtszuͤgen uͤberein, und gewaͤhrten, im Verein mit dieſen, einen eben ſo ſchoͤnen als furchtbaren Anblick; ſo ſehr hatte ſich energiſche Leiden⸗

ſchaft mit der natuͤrlichen Liebenswuͤrdigkeit der Graͤfin ge⸗ miſcht. Sobald die Thuͤr geoͤffnet war, eilte Janette zu ihrer Gebieterin; waͤhrend ſich Tony Foſter, zwar langſamer als ſeine Tochter, aber doch mit ſchnelleren Schritten als gewoͤhnlich, dem Stallmeiſter naͤherte.

„Um des Allmaͤchtigen Willen, was giebts? gnaͤdige Frau!“ fragte jene. „ Was in des Teufels Namen habt t Ihr gethan?“ fragte dieſer.

„Wer, ich?— nichts in der Welt!“ erwisdorte Varney mit geſenktem Blick und muͤrriſchem Tone;„nichts, als ihr die Befehle Mylords mitgetheilt, deren Nichtbefolgung