—- 215—
jetzt könnte ich Euch zu einem ordentlichen, maͤßigen jun⸗ gen Manne verhelfen.“ „Etwa ſo ein hohlſtimmiger flüſternder Geſelle aus
deiner Brüderſchaft?— Gut, wir können Burſche aller Art gebrauchen.— Fort nur, fort, ſo recht, nimm deine
Piſtolen mit, komm!“
„Wohin?“ fragte Anthony.
„Nach ihrem Zimmer,“ entgegnete Varney,„und bedenkt, ſie muß mit. Ich kenne Euch als einen Kerl, den ein Geſchrei nicht erſchreckt.“
„Allerdings nicht, wenn die heilige Schrift gebietet, nicht darauf zu achten,“ ſagie Foſter;„es ſteht geſchrie⸗ ben: das Weib ſoll dem Manne gehorſam ſeyn— doch wird uns Mylords Befehl auch ſchützen, wenn wir Gewalt gebrauchen?“
„Unbeſorgt, Alter! hier iſt ſein Siegelring 2 ant⸗ wortete Varney,„und nachdem er ſo die Einwendungen ſeines Gefährten beſeitigt hatte, gingen ſie nach Lord Hunsdon Zimmern, machten die Schildwache dort mit ihrer Abſicht, als mit einer von der Königin und dem Grafen von Leiceſter gebilligten Sache, bekannt, und wurden in das Gemach der unglücklichen Gräfin ein⸗ gelaſſen.
Man kann ſich den Schrecken der armen Emmy vor⸗ ſtellen, als ſie, aus einem unruhigen Schlummer er⸗ wachend, plötzlich Varney vor ihrem Lager erblickte, den Mann, den ſie von allen Menſchen am meiſten fürchtete und haßte. Es war ihr ſelbſt ein Troſt, als ſie gewahrte,
daß er nicht allein ſey, obgleich ſie ebenfalls Urſache hatte, ſeinen plumpen Gefährten zu verabſcheuen.
„Madam,“ ſagte Varney,„jetzt iſts keine Zeit, Umſtände zu machen. Mylord von Leiceſter, von den


