heit, und der Kampf würde mit noch größerer Wuth von beiden Seiten fortgeſetzt worden ſeyn, hätte nicht ider Knabe ſich feſt um Leiceſters Knie geklammert, und ihn mit ſchreiendem Tone auf's dringendſte beſchworen, ihm doch nur einen Augenblick Gehör zu geben, bevor er das Gefecht erneue.
„Fort, und laß mich,“ ſprach Leiceſter,„oder ich
durchſtoße dich mit meinem Schwerdte;— was geht dich,
Burſche, meine Rache an?“
„Viel,— viel!“ rief der unerſchrockene Kleine; „meine Thorheiten ſind ſchuld an dieſem blutigen Streite, ja vielleicht an noch Schlimmerem.— Wolle Ihr je wieder den Frieden einer unſchuldigen Seele genießen,— hofft Ihr je wieder auf ruhigen, nicht von Gewiſſensbiſ⸗ ſen aufgeſchreckten Schlummer, o, ſo laßt Euch die Zeit, dieſen Brief zu durchfliegen, und thut dann, wie Ihr wollt.“
Während dieſer eifrigen ernſten Rede, welche durch
das koboldartige Aeußere des Sprechers einen ſeltſamen Ausdruck gewann, hielt dieſer dem Grafen ein Schreiben hin, mit einer Flechte vom ſchönſten lichtbraunen Haar umwunden. Zornig, wie er war, ja ſelbſt faſt blind vor Wuth, ſein Rachegeſchäft auf ſo ſeltſame Weiſe unter⸗ brochen zu ſehen, konnte dennoch der Graf von Leiceſter dem wunderbaren Knaben nicht widerſtehen. Er riß ihm
das Schreiben aus der Hand— veränderte ſeine Farbe, als er die Aufſchrift erblickte— löſte mit zitternder Hand den Knoten, der es zuſammenhielt— überflog den In⸗
halt, bebte zurück, und wäre zu Boden geſtürzt, hätte ihn nicht grade der Stamm eines Baumes aufrecht gehal⸗
ten, an den er ſich jetzt während eines Augenblicks lehnte.
Seine Augen ſtarr auf den Brief gerichtet, die Spitze


