— 276—
gelegen ſeyn muß, meine Wünſche in Erfüllung treten zu ſehen, als der Ew. Herrlichkeit ſelbſt.“
Der Graf ſtand wie verſteinert da, über die unbegreif⸗ liche Kälte, mit welcher der Mann, von dem er ſich ſo beleidigt glaubte, die Sache ſeiner vermeintlichen Para⸗ mour vertheidigte, gleich als ſey ſie ein unſchuldiges Weib, und er ihr uneigennütziger Wortführer; noch mehr ward ſein Erſtaunen durch die Wärme geſteigert, mit der Treſ⸗ ſilian für ſie den Rang begehrte, den ſie, ſeiner Meinung nach, geſchändet hatte, und mit der er für ſie Vorzüge verlangte, welche ſie ohne Zweifel mit dem Liebhaber zu theilen beabſichtigte, der jetzt mit ſolchem Eifer für ſie ſprach. Treſſilian hatte ſchon über eine Minute geſchwie⸗ gen, bevor der Graf ſich von ſeinem Erſtaunen einigerma⸗ ßen zu erholen vermochte. In Rückſicht auf die Gedanken, welche ſeine Seele beſtürmten, war es kein Wunder, daß jetzt Leidenſchaft bei ihm alle andere Rückſichten beſiegte. „Ich habe Euch ohne Unterbrechung angehört,“ ſprach er, „und ich danke dem Himmel, daß meine Ohren früher noch nie von dem frechen Geſchwätze eines ſolchen unver⸗ ſchämten Böſewichts gemartert wurden. Die Peitſche des Henkers iſt mehr geeignet, Euch zu ſtrafen, als das Schwerdt eines Edelmannes, aber dennoch!— zieh', Schurke, und vertheidige Dich!“
So ſprechend, warf er ſeinen Mantel zu Boden, gab Treſſilian einen heftigen Schlag mit der unentblößten Klinge, zog ſein Schwerdt, und ſtand vor ſeinem Gegner zum Angriffe bereit. Die fürchterliche Wuth, welche aus ſeinen Worten ſprach, füllte Treſſilian mit einem eben ſo großen Erſtaunen, als Leiceſter zuvor gefühlt hatte. Seine Verwunderung machte aber dem Zorne Platz, als den unverdienten, beſchimpfenden Worten ein Schlag
folgte


