— 26—
Leiden des Herzens, dieſe Sehnſucht nach einem Schat⸗ tenbilde, dieß Verweilen bei der Erinnerung eines Trau⸗ mes, aus dem man auf rauhe Weiſe erweckt ward, ſind Schwächen eines edlen, großmüthigen Herzens; und nch Treſſilian gab ihnen Raum.
Endlich fühlte er indeß die Nothwendigkeit, ſeine Seele mit andern Gegenſtänden zu beſchäftigen, und da⸗ her verließ er den Garten, um ſich unter den Schwarm der übrigen Gäſte auf der Mauer zu miſchen, und den Anſtalten zu den Feſtlichkeiten zuzuſehen. Als er aber aus dem Garten trat, und den lauten Jubel, die Muſik und das Freudengeſchrei rund um ſich her erſchallen hörte, fühlte er einen ſolchen Widerwillen unter Menſchen zu treten, deren Gefühle in ſo völligem Widerſpruche mit den Seinigen ſtanden, daß er beſchloß, ſich auf das ihm angewieſene Zimmer zurückzuziehen, und ſich dort mit Leſen zu beſchäftigen, bis das Geläute der großen Glocke Eliſabeths Ankunft verkünden würde.
Dem zufolge ſchritt er durch den zwiſchen den Kü⸗ chen und der großen Halle befindlichen Raum, ſtieg in dem Mervyn'sthurme die Wendeltreppe hinan, und er⸗ ſtaunte nicht wenig, als er das kleine, ihm dort ange⸗ wieſene Zimmer verſchloſſen fand. Schnell erinnerte er ſich indeß, daß ihm der Kämmerer einen Hauptſchlüſſel eingehändigt habe, mit dem Bedeuten, bei dem großen Gedränge im Schloſſe ſeine Thür, ſo viel als möglich, verſchloſſen zu halten. Er verſuchte den Schlüſſel, das
Schloß gab nach, er trat hinein, und erblickte eine weib:
liche Geſtalt in ſitzender Stellung, in der er Emmy Rob⸗ ſarts reizende Formen erkannte. Anfangs glaubte er,
ſeine erhitzte Phantaſie zaubere ihm auch hier das Bild ſeiner Träumereien vor; dann war er einen Augenblick
,——“ ‧


