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das werden meine freundlichen Leſer leicht be⸗ greiflich finden.. Eliſabeth war von Natur aufgeweckt und
lebhaft und nur durch Zwang, Beiſpiel und Ge⸗
wohnheit zu der früheren Ruhe gebracht worden; ihr jetziger übergang zu dem entgegengeſetzten Ex⸗ treme war demnach höchſt natürlich. Es währte auch nicht lange, bis ihr Vater die mit ihrer Kleidung, in welcher ſie jetzt höchſt nachläſſig zu werden begann, vorgegangene Veränderung be⸗ merkte; eine Beobachtung, welche einen höchſt unangenehmen Eindruck auf ihn machte. Gleich nach dem Tode ſeiner Frau hatte eine ihrer Ver⸗
wandtinnen in Flandern ſich erboten, die kleine
Eliſabeth zu ſich zu nehmen, Arenzen aber, welcher ſich nicht gern von ſeinem Töchterlein trennen wollte, und überhaupt bei dem ihm eigenthüm⸗ lichen Phlegma nicht leicht zu einem Entſchluſſe gelangen konnte, hatte den Antrag zwar nicht gänzlich von der Hand gewieſen, ſich aber doch auch bis jetzt zu der Annahme deſſelben noch nicht
bereit erklärt. Nun aber ſah er ein, daß die
Aufſicht der Magd, welche ohnehin im Hauſe
genug zu ſchaffen hatte, für die kleine Eliſabeth
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