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Das Ideal
Entstehung
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ſo lange, als ihr Vater; zwar weinte ſie bitter⸗ lich während der erſten Tage, zwar betrachtete ſie mit Abſcheu, ja ſelbſt gewiſſermaßen mit Ent⸗ ſetzen, die ſchwarzen Kleider, und widerſtrebte, als die Magd ſie ihr zum erſtenmal anlegen wollte. Jedoch fand ſie ſich bald darin und ſpielte wie ſonſt fröhlich in dem Gemache umher, obgleich die Trauervorhänge jetzt in demſelben eine ſchwer⸗ muthsvolle Dämmerung verbreiteten. Sie war bisher ihrer verſtorbenen Mutter faſt nicht von der Seite gekommen, und alle ihre Beſchäftigun⸗ gen und jugendlichen Spiele ſtanden unter der Aufſicht der Verewigten; jetzt war ſie ſich plötz⸗ lich ſelbſt überlaſſen, da ihr Vater von frühem Morgen an, bis zum ſpäten Abend in ſeiner Werkſtatt zu thun hatte. Daß ſie dieſe ihr ge⸗ wordene Freiheit benutzte, daß die Kleine, welche ſonſt zu den Füßen ihrer Mutter ſtill und ruhig ſaß, das Tiſchchen mit dem buntfarbigen Spiel⸗ zeuge vor ſich, jetzt wie ein wilder Knabe Trepp auf Trepp ab durch das ganze Haus flog, ja oft wol gar ihr blondes Lockenköpfchen hinaus⸗ ſteckte aus der Thür, welche zur Gaſſe führte,

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