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Das Grab des Fremden : Novelle / von Georg Hans Lotz
Entstehung
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ihren Ruf, den ihres Gatten, ſondern auch das Le⸗ bensgluͤck eines Freundes, und eines nicht tadelloſen Maͤdchens, das aber auch meiſtens nur den Schein wider ſich hat, auf lange zertruͤmmert. Der Cha⸗ racter der weniger leichtſinnigen, als nach Origina⸗ litat ſtrebenden Frau iſt mit ungemeiner Zartheit aufgefaßt, und richtig motivirt, was keine leichte Aufgabe war. Auf die Geſchichte iſt das Buch baſirt, dies iſt die der Hauptperſonen im geheimniß⸗ vollen Hauſe; wer ſie nicht mit verwickelte, hilft doch entwickeln, und den truͤgeriſchen Schein zer⸗ ſtoͤren. Thereſens Gemuͤthskraft gewinnt unſere Achtung, doch wuͤnſchte man ihr mehr Lieblichkeit, zumal da, wo ſie unter fremden Namen als Ge⸗ ſellſchafterin auftritt, wo ihre Paſſivitaͤt gegen ſie einnimmt. Das Stumme, Theilnahmloſe iſt freilich damit zu entſchuldigen, daß eine erhoͤhte Regſamkeit ſie aus ihrem Incognito geriſſen hat, und Lothar die im Aeußern ſo veraͤnderte Geliebte, an Ton und Bewegungen, an der Denkweiſe und tauſend Klei⸗ nigkeiten erkannt haben koͤnnte, wie dieſes Verken⸗ nen, das der Leſer nicht voͤllig theilt, allerdings zu rechtfertigen, und moͤglich, aber nicht ganz wahr⸗ ſcheinlich iſt. Ueber einige bedenkliche Stellen iſt mit der zarteſten Feinheit weggeſchluͤpft, welchen richtigen Tact fuͤr Sittlichkeit und guten Geſchmack man auch in dem Gluͤck aus Verirrungen bemerkt. Die Geſchichte hat durch den prophetiſchen Traum einen Reiz des Romantiſchen bekommen, und daß der gruͤbelnde menſchliche Verſtand, wenn er ſich erdreiſtet, in die Geheimniſſe des Schickſals einzu⸗ dringen, ein Irrlicht Sonnenſchein erachtet, daß die Ahnungen nicht nnerfuͤllt bleiben, doch unter ganz andern Bedingungen, auf eine verſchiedene Weiſe erfuͤllt wurden, iſt ein eben ſo ſchoͤner, als lehr⸗ reicher Gedanke! Wen das jahrelange Schweigen der Juͤnglinge befremden ſollte, der bedenke, daß

ſie Italiener, und als ſolche gegen uns in ihren

Begriffen von Buße und Bekehrung verſchieden ſind⸗