für ein Bewandtniß habe, und warum ſie ſo Weni⸗
gen den Zutritt geſtattet.—„Aber ihre Geſchichte iſt doch voll Wunder und Graus?“— Abermals nein, einfach ohne die mindeſte ſeltſame Verſchlin⸗
gung, Sie muͤßten denn das fuͤr wunderbar an⸗ ſehen(und gewiſſermaßen iſt es ſo), daß die Frau ſchwere Koͤrperleiden mit Faſſung, d. h. mit einem menſchlichen, nicht einem gefuͤhlloſen Stoicismus ertraͤgt, und dabei nie aufhoͤrt, wohlthaͤtig, vermit⸗ telnd, vorſorglich fuͤr den kleinen Kreis ihrer Freunde zu ſeyn; ja ſie hat ſich fuͤr das Poetiſche des Lebens Empfaͤnglichkeit bewahrt, ſieht eher die heitere, als die Schattenſeite, iſt mild und ſchonend, und nicht weichlich; kurz, wenn kein Wunder, doch eine ſeltene Frau.— Das Gemeine verſchmaͤhend, adelt ſie auch das Gewoͤhnliche, und ſo wird bei ihr an die Begebenheit die Betrachtung gereiht; das ſcheinbar Bedeutungsloſe erhaͤlt durch ſie die Weihe, wenn auch mittelbar durch ihre Freunde.
Drei Erzaͤhlungen werden in ihrem Kranken⸗ zimmer vorgetragen, Gluͤck aus Verirrungen, der Richterſpruch der Welt, und ſpaͤtes Gluͤck! eigentlich alle drei daſſelbe Thema, aber aus verſchiedenen Tonarten, und verſchieden modulirt. In der zweiten Erzaͤhlung, der wichtigſten, ſchlingt ſich noch der Hauptidee ein anderer Gedanke ein, geiſtreich durch⸗ gefuͤhrt, und zur Einheit harmoniſch verſchmolzen. Verirrungen koͤnnen zum Gluͤck fuͤhren, ja ſie wer⸗ den es, wenn die Verirrung wahrhaft erkannt, und nicht durch ſtumpfe Reue, ſondern durch thaͤtige Beſſerung abgebuͤßt wird; aber dem Richterſpruch der Welt darf ungeſtraft niemand trotzen, am wenig⸗ ſten eine Frau, man mag noch ſo ſehr von der Unzulaͤnglichkeit, der Voreile und Partheilichkeit zjenes Richterſpruchs uͤberzeugt ſeyn, das lehrt die Erzaͤhlung an Frau von Seltings, die, der Unſchuld
ihrer Geſinnungen ſich bewußt, ihren Hang zu
kleinen Abenteuern befriedigt, unbekuümmert was daraus entſtehen koͤnne, und dadurch nicht allein


