— 228—
ine ſtarke Seele zu beſitzen, ſeid daher ver⸗
nunftig und gebt Euren Racheplan auff 72
„Man hat mir wohl geſagt,“ entgegnete 3 Cuenna verachtungsvoll,„daß bei Euch dort oben im Norden die Kälte alles erfrieren ma⸗ che, daß die Menſchen dort nur lebendige Eis⸗ berge wären! Eine ſolche Gefühlloſigkeit aber konnte ich nicht erwarten.— Lebt wohl! Ihr tapferer Held, den der Anblick eines Dolches erſchreckt, der bei dem Plan eines Weibes zu⸗ ſammenbebt.“
Mit dieſen Worten eilte ſie von dannen. „Jetzt,“ ſo ſprach ſie zu ſich ſelbſt,„jetzt bin ich überzeugt, daß heftige, Leidenſchaft keinen Verbündeten ſuchen darf— nur in ſich ſelbſt muß ſie Beiſtand und Hülfe finden!“— Mit aufgelöſtem Haar, bleicher Wange und von Verzweiflung beflügelten Schritten kehrte ſie nach Meſſina zurück. Ihre Kräfte waren durch langes Faſten erſchöpft, aber ſie hörte nicht
auf die Aufforderungen des Hungers. Die Sonne verbrannte ihr Geſicht, aber ſie fühlte nur die Flamme, die ihr Innerſtes verzehrte. Sie war allein, nur Rache, die ſo furchtbare Gefährtin, begleitete ſie.— Ohne Freunde—
1


