„Ich ſehe, Sie haben noch immer Angſt vor der öffentlichen Meinung,— das müſſen Sie ablegen. Die Stärke der Kritik liegt nur in der Schwäche des zu be⸗ urtheilenden Werkes.“
„Das iſt wahr, Kavanagh, und ich fürchte mehr, Tadel zu verdienen, als wirklich getadelt zu werden. Ich fürchte mich vor meinem eigenen Urtheil. Der geheime Un⸗ werth, den vielleicht wir allein nur kennen, iſt oft ſchwerer zu tragen, als der, für den wir öffentlich getadelt werden, und der dadurch gewiſſermaßen abgebüßt iſt.“
„Ich will nicht behaupten,“ erwiderte Kavanagh,„daß Demuth der einzige Weg zur Vollkommenheit ſei, aber ſicherlich iſt es einer.“
„Ja, Demuth, aber nicht Demüthigung,“ ſeufzte Chur⸗ chill niedergeſchlagen.„Vortrefflichkeit kann ich nur anſtre⸗ ben und davon träumen, aber nicht erreichen. Selbſt die Bücher um mich her, die mich ſonſt antrieben und zu Tha⸗ ten ermunterten, ſind jetzt meine Ankläger geworden. Sie ſind meine Eumeniden, und jagen mich in Verzweiflung.“
„Mein Freund,“ ſagte Kavanagh nach kurzem Schwei⸗ gen, während dem er Churchills Betrübniß gewahr wurde, „mein Freund, das Fernliegende iſt nicht immer vortrefflich. Was uns unerreichbar und unzugänglich ſcheint, ſind wir geneigt zu überſchätzen; was das wahre Beſte für uns iſt, liegt immer in unſrem Bereich, obwol es oft überſehen wird. Frei heraus geſagt, das iſt der Fall mit Ihrem Roman. Sie haſchen augenſcheinlich nach etwas, was außer⸗ halb der Gränzen Ihrer Erfahrung liegt, und das folglich nur ein Schattenſpiel Ihrer Phantaſie iſt. Solche Ge⸗ ſtalten haben kein Leben, ſie ſind nur äußerer Schein ohne inneres Leben. Wir können Andern nur das geben, was wir haben.“
„Und wenn wir nichts Gebenswerthes haben?“ unter⸗ brach Churchill.
„So arm iſt kein Menſch. Eben ſo gut könnten die Gebirgsbäche ſagen, ſie hätten nichts Würdiges dem Meere zu geben, weil ſie keine Ströme ſind. Einige werden es beſſer finden, als Sie zu glauben wagen. Hätten Sie mehr in der Nähe nach Stoff zu Ihrem Roman geforſcht,


