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Schönes fand, dachte ich Ihrer, und wie ſehr Sie ſich alles deſſen gefreut haben würden!“
Churchill ſeufßte, und dann, als wollte er mit einem Meiſterſtrich ein Gemälde darſtellen, was nichts erklären, in der That aber alles ausdrücken ſollte, ſagte er:
„Sie haben keine Kinder, Kavanagh, wir haben fünf!“
„Schon ſo viele?“ rief dieſer aus.„Ein lebender Pentateuch! Ein fünfthüriger Tempel des Lebens! Eine herrliche Zahl!“
„Ja,“ antwortete Churchill,„eine ſchöne Zahl; die der Juno; die Vermählung der erſten graden und ungraden Zahlen; die heilige Zahl der Ehe, die jedoch weder eine unmittelbare noch mittelbare Beziehung zu dem Pythagoräiſchen Noviziat hat, das in fünfjährigem Schweigen beſtand.“
„Nein, wahrlich, es iſt nicht der Kinder Beruf zu ſchweigen,“ ſagte Kavanagh lächelnd.„Das wäre unnatür⸗ lich; ausgenommen jedoch die Kinder des Geiſtes, welche nicht immer ſo viel Lärmen in der Welt machen, als wir wünſchen. Ich hoffe, eine noch zahlreichere Familie dieſer Art iſt während meiner Abweſenheit aufgeſchoſſen.“
„Im Gegentheil,“ antwortete der Schulmeiſter.„Mein Geiſt iſt faſt unfruchtbar an Gedichten geweſen. Ich habe nur getändelt; ich fürchte, wenn ich noch länger mit Apollo ſpiele, werden die widrigen Winde mir den Diskus des Gottes gegen die Stirn ſchleudern, und mich todt nieder⸗ ſtrecken, wie weiland den Hyacinthus.“
„Und Ihr Roman?— iſt es Ihnen mit dem beſſer ergangen? Ich hoffe, er iſt fertig, oder doch nahe daran?“
„Noch nicht einmal angefangen iſt er,“ ſagte Churchill. „Die Anlage und Charaktere ruhen noch immer unbeſtimmt in meinem Geiſte. Ich habe noch nicht einmal einen Titel dafür erdacht.“
„Der findet ſich, wenn das Buch fertig iſt,“ fügte Kavanagh hinzu.„Sie können ihn, z. B. wie die alte Heimskringlaſage nach dem Anfangswort des erſten Kapitels nennen.“
„Ja, das ging wol in der alten Zeit, und in Is⸗ land, wo es keine Vierteljahrsſchriften gab. Jetzt würde man ſo etwas Ziererei nennen.“
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